Die kurze Antwort
Nachtschreck (Pavor nocturnus) ist eine Schlafstörung, bei der die Person, meist ein Kind, abrupt und voller Schrecken aufwacht: Sie schreit, weint, strampelt, schwitzt und hat Herzklopfen, ist aber nicht wirklich wach und reagiert kaum. Er dauert meist nur wenige Minuten, das Kind schläft wieder ein und erinnert sich am Morgen an nichts. In den meisten Fällen ist er vorübergehend und wird mit dem Alter seltener.
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Wer betroffen ist und wann es passiert
Laut der medizinischen Enzyklopädie der US-amerikanischen National Library of Medicine kommen Nachtschreckepisoden am häufigsten zwischen 3 und 7 Jahren vor und danach deutlich seltener. Sie können familiär gehäuft auftreten und auch bei Erwachsenen vorkommen, vor allem in Stressphasen oder bei Alkoholkonsum. Sie treten meist im ersten Drittel der Nacht auf, oft zwischen Mitternacht und 2 Uhr. Zu den möglichen Auslösern gehören Fieber, Schlafmangel und Zeiten emotionaler Anspannung.
Quelle: MedlinePlus, Night terrors in children.
Nachtschreck oder Albtraum?
- Zeitpunkt: Der Nachtschreck kommt im ersten Teil der Nacht; der Albtraum eher in der zweiten Nachthälfte.
- Aufwachen: Beim Nachtschreck wirkt die Person wach, ist aber verwirrt; beim Albtraum wacht sie auf und weiß, wo sie ist.
- Erinnerung: Nach einem Nachtschreck erinnert man sich meist an nichts; nach einem Albtraum an die Geschichte des Traums.
- Reaktion auf Hilfe: Beim Nachtschreck erkennt das Kind die Eltern vielleicht nicht und stößt sie sogar weg; beim Albtraum nimmt es Trost an und kann erzählen, was es geträumt hat.
- Häufigstes Alter: Kinder von 3 bis 7 Jahren beim Nachtschreck; jedes Alter beim Albtraum.
Albträume haben eine eigene Erklärung und Behandlung, wie der Artikel Albträume: Ursachen zeigt.
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Was man im Moment tun kann
- Ruhig bleiben und für Sicherheit sorgen: Gegenstände wegräumen und darauf achten, dass das Kind nicht aus dem Bett fällt oder sich verletzt.
- Kein Aufwecken erzwingen: Gewaltsames Wecken macht das Kind meist noch verwirrter; bleiben Sie in der Nähe, bis die Episode vorbei ist.
- Am Morgen nicht nach Erklärungen fragen: Es wird sich nicht erinnern, und Nachhaken kann es ängstlich machen.
- Den Schlaf pflegen: Regelmäßige Zeiten und ausreichend Schlaf verringern die Episoden, denn Schlafmangel ist ein bekannter Auslöser.
Wann zum Arzt
Es lohnt ein Gespräch mit der Kinderärztin, dem Kinderarzt oder einem Schlafmediziner, wenn die Episoden häufig sind, den Schlaf regelmäßig stören, mit weiteren Symptomen einhergehen, etwa starkem Schnarchen oder Atempausen, oder wenn die Person sich verletzt oder fast verletzt. Auch bei Erwachsenen verdienen wiederholte Episoden eine Abklärung. Aufwachen, ohne sich bewegen zu können, ist etwas anderes: die Schlafparalyse.
Quelle: MedlinePlus, Night terrors in children.
Wissenschaft und Glaube: Freud, Jung und die Traditionen
Bei Freud. Schon 1900 hörte Freud einen Einwand gegen seine Theorie: Wenn der Traum Wünsche erfüllt, warum sind dann ausgerechnet Kinder die häufigsten Opfer von Angstträumen? Seine Antwort lautete, die Angst des Traums sei nur oberflächlich mit der Szene verbunden und stamme aus einer anderen Quelle, manchmal aus dem Körper selbst, etwa aus Atemnot. Der Nachtschreck hinterlässt aber fast nie einen Traum, den man erzählen könnte, und Freud arbeitete gerade mit dem Bericht des erinnerten Traums. Die Erklärung kommt hier also aus der Schlafmedizin, nicht aus der Psychoanalyse.
Bei Jung. Jung misstraute Freuds Idee, der Traum sei der Hüter des Schlafs. In Der Mensch und seine Symbole schreibt er, Träume seien ständig dabei, den Schlaf zu stören, und die Seite zeigt Der Nachtmahr, das Gemälde des Schweizers Henry Fuseli, mit der Beobachtung, dass fast jeder schon von einem Traum geweckt, erschüttert und beunruhigt worden ist.
In Symbolen und Glaube. Im Dictionnaire des symboles geben Chevalier und Gheerbrant die Hypothese des Gelehrten Krappe wieder, wonach eine unheimliche Stute am Ursprung des französischen cauchemar und des englischen nightmare stehe, wobei mare Stute bedeutet. Im antiken Griechenland war Hekate die Göttin der nächtlichen Schrecken und der Gespenster. Auch die Bibel kennt diese Angst: Psalm 91,5 verspricht dem, der Gott vertraut, er müsse sich vor dem Grauen der Nacht nicht fürchten, und Hiob 4,13-15 beschreibt Schrecken und Zittern in der Nacht.
Beide Sichtweisen zusammen. Glaube und Wissenschaft passen hier gut zusammen. Eine betende Familie kann still oder im Gebet beim Kind bleiben, ohne es gewaltsam zu wecken, genau wie Ärzte es raten. Und wenn die Episoden häufig werden, bleibt das Gespräch mit der Kinderärztin oder dem Kinderarzt der richtige Schritt.
Quellen: Freud, Die Traumdeutung, 1900; Jung (Hrsg.), Man and His Symbols; Chevalier und Gheerbrant, Dictionnaire des symboles.
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Quellen
- MedlinePlus, U.S. National Library of Medicine. Night terrors in children. https://medlineplus.gov/ency/article/000809.htm
- Freud S. Die Traumdeutung, 1900. Projekt Gutenberg. https://www.gutenberg.org/ebooks/66048
- Jung CG (Hrsg.). Man and His Symbols, 1964 (Der Mensch und seine Symbole).
- Chevalier J, Gheerbrant A. Dictionnaire des symboles (Lexikon der Symbole).
Häufige Fragen
Ist Nachtschreck gefährlich?
In den meisten Fällen nicht. Er ist bei Kindern häufig und wird mit dem Alter seltener. Die wichtigste Vorsicht ist, dass die Person sich nicht verletzt.
Soll ich das Kind während des Nachtschrecks wecken?
In der Regel muss man das Aufwachen nicht erzwingen. Am besten bleibt man in der Nähe und sorgt für Sicherheit, bis es vorbei ist.
Was ist der Unterschied zwischen Nachtschreck und Albtraum?
Beim Nachtschreck wacht die Person nicht wirklich auf und erinnert sich nicht; beim Albtraum wacht sie auf und erinnert sich an die Geschichte des Traums.
Können auch Erwachsene Nachtschreck haben?
Ja, besonders in Stressphasen oder bei Alkoholkonsum. Wiederholte Episoden verdienen eine ärztliche Abklärung.
Was sagt die Bibel über das Grauen der Nacht?
Psalm 91,5 sagt dem, der Gott vertraut, er müsse sich vor dem Grauen der Nacht nicht fürchten, ein Vers, der viele Familien tröstet. Er bezieht sich nicht auf die in der Medizin beschriebene Schlafstörung. Der Nachtschreck ist weder ein geistlicher Angriff noch ein Omen: Er vergeht oft mit dem Alter, und wenn er häufig ist, lohnt ein Gespräch mit der Kinderärztin oder dem Kinderarzt.